Jubiläum 50 Jahre St.Elisabeth 2. Teil

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Jubiläum “50 Jahre Kirche St. Elisabeth“ – 2. Teil

Kolumnen von Robert Walpen – Bilder von Josef Künzle

Menschliches Schicksal
Für das sogenannte „Elisabethenkirchlein“ erstellt der Kilchberger Architekt Emil Oberegger die Pläne und verrechnet grosszügig nur ein „halbes Honorar“ wie Pfarrer Hügler bestätigt. Auch für die Renovation der Kirche zeichnet er Mitte der 50er-Jahre die Pläne. Später zieht er von Kilchberg weg ins Toggenburg.
In Verehrung zur heiligen Elisabeth lassen er und Oskar Appert ihre 1934 geborenen Töchter auf den Namen Elisabeth taufen.
Pfarrer Friedrich Hügler lädt Emil Oberegger im Jahre 1985 zum 50. Pfarreijubiläum nach Kilchberg ein. Aus gesundheitlichen Gründen muss er absagen und teilt dies in einem Brief mit.
Dem Schreiben fügt er an Ende einen Passus zu, der tief berührend ist: „In meiner Erinnerung bleibt auch der Empfang der heiligen Taufe meiner Tochter Elisabeth als 1. in der neuen Kapelle wie auch die 1. Trauerfeier in der neuerbauten Kirche zum Tode meiner lieben Gattin und Mutter meiner Kinder.“

Der Abbruch des „Elisabethenkirchleins“
Rund dreissig Jahre lang dient das „Elisabethenkirchlein“ den katholischen Gläubigen als religiöses Zentrum. Die Verantwortlichen wissen aber seit dem Anfang, dass wegen der Zunahme der katholischen Bevölkerung das Kirchlein später einer grösseren Kirche würde weichen müssen.
„Wegleitend war die Idee, ein für Jahrzehnte genügendes Kirchlein mit Pfarrhaus zu bauen und daneben Platz für die spätere Kirche frei zu lassen. Das Kirchlein würde dann als Vereinssaal benützt werden können“ steht in der Festschrift der neuen Kirche nachzulesen. Es sollte andern kommen!
Wie Mitte Mai 1965 die Bauarbeiten für die neue Kirche beginnen, hat das alte Gotteshaus noch eine Gnadenfrist. Als sich dann aber die Frage stellt, wann mit dem Errichten des neuen Turmes begonnen werden kann, kommt das Ende. Der Vorplatz wird für das Giessen und Aufstellen der Pfeiler des neuen Turms benötigt.
So feiert am 17. August 1965 Pfarrer Friedrich Hügler einen letzten Schülergottesdienst und am folgenden Tag beginnt der Abbruch. Aber in der Erinnerung vieler Gläubiger, die diese Zeit miterlebt haben, existiert das „Elisabethenkirchlein“ weiter.

Erinnerungen an den 2. Weltkrieg (1. Teil)
Der 1930 gegründete „Katholische Kultusverein“ hat seine Tätigkeit während der ganzen Vorkriegs- und Kriegszeit ausgeübt. Da liegt es nahe, die Protokolle darauf zu befragen, welche Spuren dieser schweren Zeit sich in den Quellen erhalten haben. Es sind im Ganzen nur wenige Aussagen, und der Schreiber beabsichtigt nicht „Geschichte zu schreiben“. Aber diese „beiläufigen“ Bemerkungen sind gerade deshalb unmittelbarer Ausdruck seines seelischen Empfindens, auch seiner Angst.
Der Kriegsausbruch im September 1939 findet keinen Niederschlag, aber am 30. Januar 1940 steht zu lesen: „Da mit Anbruch milderer Witterung die Möglichkeit besteht, dass grössere Kriegsereignisse eintreten können und dadurch eine ganze Reihe der Vereinsmitglieder wieder im Aktivdienst stehen müssen, …“
Die Gefahr für die Schweiz ist gross im Jahre 1940, denn es ist nicht klar, wohin der deutsche Vorstoss zielt. Dann beginnt im Frühjahr der Überfall auf Dänemark und Norwegen und im Sommer folgt der Westfeldzug, der mit der Kapitulation Frankreichs endet. Nach dem Beginn der Offensive im Westen ordnet der Bundesrat die zweite Generalmobilmachung an und bald einmal ist die Schweiz beinahe von allen Seiten von den Achsenmächten umschlossen.

Erinnerungen an den 2. Weltkrieg (2. Teil)
Im Protokoll des Kultusvereins vom 30. Januar 1940 steht auch zu lesen: Es „wird auch die Evakuationsfrage berührt. Herr R. wird dafür besorgt sein, dass im Notfalle die wertvollen kirchlichen Gegenstände rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.“
Nach dem Einsetzen der Westoffensive mahnt der Bundesrat das Volk zu ruhiger Entschlossenheit. Trotzdem kommt Panikstimmung unter einem Teil der Bevölkerung auf, verbunden mit überstürzten Evakuationen in der Nord- und Nordostschweiz. Auch die Mitglieder des Kultusvereins machen sich Gedanken, wie sie wichtige Gegenstände in Sicherheit bringen können.
Trotz des Krieges aber geht das Leben auch in Kilchberg weiter; im Jahresbericht 1944 steht: „Am 5. November nimmt der Pfarrer teil am Festessen im Mönchhof anlässlich des 500. Jubiläums der Kirche Kilchberg. Er bringt die Grüsse und Wünsche der Pfarrei. “
Und im Jahresbericht 1945, der am Ende des Jahres geschrieben wird, steht die erlösende Meldung: „Zum Schluss erinnern wir uns an das grosse Ereignis dieses Jahres: an das Kriegsende. Möge bald der wahre Friede folgen.“

Erinnerungen an den 2. Weltkrieg (3. Teil)
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges vergisst Kilchberg die notleidenden Menschen in den Kriegsländern nicht.
Gemäss dem Jahresbericht des Kultusvereins von 1946 wird am Sonntag, dem 24. Februar, das Opfer für die „katholische Deutschlandhilfe“ aufgenommen; es bringt Fr. 120.– ein.
Am Sonntag, den 10. März, wird erneut gesammelt: „Das Türopfer für die notleidenden Kinder der Kriegsländer beträgt die hohe Summe von Fr. 140.–. Es werden auch zahlreiche Wäsche- und Kleidungsstücke abgegeben.“ Am Bettag wird dann ein Flüchtlingsopfer aufgenommen, welches nochmals Fr. 100.– einbringt.
Und an Weihnachten wird abermals gespendet: „Dankbar zu erwähnen sind die grossen Opfer für auswärtige Zwecke und zur Unterstützung der Kriegsgeschädigten. Es sind viele zum Teil ganz schöne und gut erhaltene Kleidungsstücke abgegeben worden.“ Eine solche Häufung von Sammlungen ist allerdings nur für das Jahr 1946 dokumentiert.
Andere Flüchtlinge bringen sich und ihre Familien in der Schweiz in Sicherheit; es sind wohl solche, die es sich finanziell leisten können oder Verbindungen haben. Die Jahreschronik des Kultusvereins für das Jahr 1948 schreibt: „Seit Ostern weilt ein österreichischer Herzog (Schwager der Exkaiserin Zita) mit seiner Familie in Kilchberg und besucht regelmässig den Gottesdienst.“