Jubiläum 50 Jahre St.Elisabeth 5. Teil

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Jubiläum “50 Jahre Kirche St. Elisabeth“ – 5. Teil

Kolumnen von Robert Walpen – Bilder von Josef Künzle

Katholische Vereine in Kilchberg
Wie Josef Omlin im September 1935 Pfarrer in Kilchberg wird, bemüht er sich, das christliche Leben der Gläubigen durch die Gründung von Vereinen zu beleben und zu fördern. Deshalb gründet er zu Beginn des Jahres 1936 die „Marianische Kongregation“ für unverheiratete Frauen und den „Katholischen Frauenverein“ für verheiratete Frauen. In der Regel übernimmt der Pfarrer die Funktion als „Präses“.
1939 folgt die Gründung der „Katholischen Jungmannschaft“ und gemäss Jahresbericht 1945 findet am 19. Juni die „erste Zusammenkunft der neugegründeten „Männervereinigung“ statt. Die Gründung erfolgt somit erst nach Kriegsende, wohl auch weil zuvor viele Männer Aktivdienst geleistet haben. Allerdings haben sich dazu keine Unterlagen erhalten.
Die Resultate der pfarrherrlichen Bemühungen sind jedoch nicht immer zufriedenstellend, worüber sich Josef Omlin in der Generalversammlung des Kultusvereins am 7. Juli 1938 beklagt. Der Pfarrer „gibt in bewegenden Worten seiner inneren Stimmung Ausdruck, dass das kirchliche Leben leider nicht den erhofften Aufschwung genommen hat, wie es zu erwarten war, sondern dass eher eine gewisse Lauheit sich bemerkbar mache, besonders unter der Männerwelt und der Jungmannschaft.“
Ganze sechs Jahre sind es her, dass in Kilchberg erstmals ein katholischer Gottesdienst gefeiert wird und drei Jahre seit die Katholiken in Kilchberg über eine eigene Kirche verfügen.

Katholische Vereine: „Der katholische Frauenverein“ (Teil 1)
„Auf die Einladung des hochwürdigen Herrn Pfarrer Josef Omlin, einen kath. Frauenverein zu gründen, fanden sich im Pfarrhaus 7 Frauen ein. Nach einer gegenseitigen Aussprache fand es der hochwürdige Herrn Pfarrer angezeigt, sofort zur Gründung des Vereins zu schreiten.“
Die Frauen treffen sich fortan jeweils zu einer „Monatsversammlung“. Wie bei der „Jungmansschaft“ und der „Marianischen Kongregation“ scheint der Pfarrer auch bei den Frauen immer wieder Vorträge gehalten zu haben, so z.B. an der ersten Generalversammlung am 17. Januar 1937. „Der hochwürdige H. Pfarrer behandelte im darauf folgenden Vortrag ein tiefernstes Thema: „Über moderne Auffassungen der Ehe, die mit der christlichen Ehe im Gegensatz stehen.“
In einer Vorstandssitzung Ende 1939 „kommt die Weihnachtsbescherung zur Aussprache. Es wird beschlossen, einen Betrag von zirka 50 Fr. für Strickwolle und zirka 65 Fr. für Stoff auszulegen. Mit dem Stoffeinkauf wird wieder Frl. W. betraut werden, die denselben dann auch zuschneidet für Mädchen- und Knabenhemden.“
Die meisten Protokolle sind wenig aussagekräftig; nur ab und zu „schleicht“ sich eine andere Aussage ein. So zum Beispiel Ende 1939, als es heisst: „In Anbetracht der schweren Zeit, wird ferner beschlossen, dass …“

Katholische Vereine: „Der katholische Frauenverein“ (Teil 2)
Die Protokolle des Frauenvereins werden von der Aktuarin in der Regel unterzeichnet mit „Die Aktuarin Frau B.“ Die Frauen scheinen sich über ihre Männer zu definieren. Erst in späteren Protokollen erscheint dann der Name der Aktuarin, allerdings wird der Vorname jeweils nur mit dem Anfangsbuchstaben angegeben.
Nach dem Krieg machen die Frauen am 11. Oktober 1945 eine „Gelöbnis-Wallfahrt“ zum Bruder Klaus in Sarnen. Acht Pilgerinnen nehmen mit dem Pfarrer teil an der Wallfahrt, die vom „Schweizerischen Katholischen Frauenbund“ organisiert wird.
Nach dem Gottesdienst in der Kirche von Sarnen, nehmen am Pilgergang ins Flüeli „von uns nur die ganz Frommen teil, darunter selbstverständlich unser H.H. Pfarrer, aber schon halbwegs bereut er es, dass er nicht das Auto benützt hatte, denn es kostete ihn bei der recht sommerlichen Wärme manchen Schweisstropfen.“
Später machen sich die Frauen auf den Rückweg nach Sarnen. „Wir waren etwa eine halbe Stunde unterwegs, als unser Hochwürdiger Pfarrherr entdeckte, dass er seine kurz vorher gekauften Stumpen auf einem Holzpfosten, auf dem Flüeli, hatte liegen lassen; da wir aber ohnehin schon etwas verspätet waren, gab es kein Zurück mehr, und er musste nun wohl oder übel auf das Rauchen verzichten. Nach der Entdeckung seines Verlustes gestand er uns, dass er nun froh sei, nur billige gekauft zu haben, und damit er das verloren gegangene Kräutchen leichter verschmerzt, spendet ihm der Vorstand in der nächsten Sitzung einen Ersatz“.

Katholische Vereine: „Die Marianische Kongregation
Die „Marianische Kongregation“ ist ebenfalls im Jahr 1936 gegründet worden. Sie ist ein Verein für unverheiratete Frauen und umfasst im ersten Jahr die Zahl von 42 Mitgliedern.
Die Protokolle beginnen jeweils mit der Anrede „Liebe Mitschwestern“ und enden ohne Unterschrift mit einer Gebetsformel. Im Text nennen sich die „Mitschwestern“ auch „Kongreganistinnen“ oder „Sodalinnen“, (Gefährtinnen, Genossinnen).
Präses ist auch hier der Gründer Pfarrer Josef Omlin und die Anlässe scheinen vor allem der religiösen Erbauung zu dienen. „Die Inhaltszeichen von Liebe beseelter Vorträge des H.H. Präses trugen viel zur Verinnerlichung und Belehrung der Kongregationistinnen bei.“
Auch gemeinsam verbrachte Zeit mit Arbeit für Bedürftige gehört dazu. Der Jahresbericht zu 1941 meldet: „Eine kleine Gruppe Sodalinnen fand sich jeden Donnerstagabend im Pfarrsaal ein, um zu stricken für die Weihnachtsbescherung der Unterrichtskinder und sonstigen Bedürftigen Pfarrgenossen. Auch haben wir die Wehrmänner dabei nicht vergessen, denn manches Paar Socken konnten wir dem H.H. Präses geben für seine Soldaten. Dadurch beteiligen wir uns auch am Vaterländischen Hilfsdienst.“
Auch den jungen Frauen scheint der Dienst am Vaterland wichtig gewesen zu sein; Pfarrer Josef Omlin, als Feldprediger, wird diese Ausrichtung gerne unterstützt haben „für seine Soldaten“.

Katholische Vereine: „Die Jungmannschaft“ (Teil 1)
Am 5. März 1939 treffen sich die Verantwortlichen der Jungmannschaft zu einer „Arbeitstagung des Dekanates Albis“. Dabei werden unter andern Traktanden auch die „Aufgaben der Jungmannschaft“ formuliert. „Die Aufgabe der Jungmannschaft besteht in der Erfassung des Einzelmenschen im öffentlichen, sowie auch zum Teil im privaten Leben. Der Kampf gegen Kommunismus und neuerdings auch gegen den Nationalsozialismus mit seinem übertriebenen Rassenwahn, die Vaterlandsverteidigung, der Kampf für die Reinheit und schlussendlich die Erziehung zu guten, verantwortungsbewussten Familienvätern sind die Liebe der katholischen Jungmannschaft“.
Wie stark der mit dem 1. September 1939 ausgebrochene Krieg die Gründung der Jungmannschaft beeinflusst hat, lässt sich aus den Quellen nicht erschliessen. Das Gefühl der Gefahr scheint aber wie eine dunkle Wolke über allem Geschehen zu schweben.

Katholische Vereine: „ Die Jungmannschaft“ (Teil 2)
Der erste auffallende Aspekt bei der Jungmannschaft ist ihre starke politische Ausrichtung auf die „Verteidigung des Vaterlandes“. Auffallend ist ebenso, dass ihre Tätigkeit während des Krieges am stärksten ausgeprägt ist.
In der Monatsversammlung vom 6. November 1939 diskutieren sie deshalb die Frage: „Was können wir noch tun?“
Die Antwort lautet: „Wir müssen uns nun einrichten auf die gegenwärtige Lage. Wir wollen eine Friedensandacht für unsere Heimat organisieren. Auf Anregung des Rex-Verlages werden in der Schweiz von jeder Sektion abwechslungsweise solche Andachten durchgeführt.
Es ist vorgesehen vom Zentralpräses, wenn unsere Heimat vor Krieg verschont bleibt, im Jahre 1943 eine Friedenswallfahrt zu unternehmen. Der Hochwürdige Bischof von Basel und Lugano hat nun angeordnet, dass schon dieses Jahr etwas unternommen wird. Wie oben erwähnt, wird jetzt in der Schweiz vom Sommer an bis der Krieg beendet ist, jede Woche, d.h. jeden Tag, für das Wohl der Heimat gebetet.“
Dann formuliert das Protokoll weiter: „Die Aufgabe der Jungmannschaft ist in allererster Linie die Fürsorge für die Soldaten an der Grenze. Wir müssen alle Adressen von Soldaten in unserer Gemeinde unserem Präses angeben.
Ferner unsere Leitung in das Feld nachschicken und für gute Literatur sorgen und dieselbe wie auch das neue Gebetbüchlein „Tapfer und Freu“ den Soldaten schicken. Dies ist heute die nicht minder wichtige Aufgabe unserer Vereins.“

Katholische Vereine: „Die Jungmannschaft“ (Teil 3)
Am 4. Dezember 1939 trifft sich die Jungmannschaft zur Monatsversammlung und „vorausgenommenen Klaustag“. „Nach dem Eintreffen unseres Mitgliedes Fourier M.F. eröffnete unser HH. Präses die Versammlung. Der Tisch war bedeckt mit Süssigkeiten aller Art, ein Hefekranz, Birnenweggen und ein Maiskuchen, sowie eine Unmasse von Spanisch Nüssli etc.“
Später hören sich die Teilnehmer zwei Vorträge an, den zweiten zum Thema „Vortrag vom B.M. über seine Erlebnisse im Aktivdienst“. „Der Dienst für unsere Heimat ist ein überaus tröstlicher Gedanke, denn je mehr wir sie schützen desto mehr sieht Gott, dass wir Ihm dankbar sind.“
„Nach dem Referat musste uns M.F. leider verlassen, da er um 10 Uhr im Kantonnement sein musste.“
Nach dessen Weggang erzählt Pfarrer Omlin von seinen eigenen Aktivdiensterlebnissen; er ist Feldprediger gewesen. Diese wohl echt empfundene Vaterlandsliebe der Jungen in gefahrvoller Zeit ist auch heute noch berührend. Es werden aber wohl immer nur einige wenige Mitglieder sich stark engagiert haben.
Allerdings scheint ihr Einsatz bald einmal nachgelassen zu haben, denn für den 21. April 1942 ist eine „Gründungsversammlung“ angesagt, „um unsere katholische Jungmannschaft neu zu beleben.“ Und am 1. Februar 1944 will Pfarrer Usteri „eine neue Jungmannschaft gründen.“ Mit dem Jahre 1950 brechen die Protokolle denn auch unvermittelt ab.

Katholische Vereine: „Die Jungmannschaft“ (Teil 4)
Die Jungmänner treffen sich von Zeit zu Zeit zu sogenannten „Spielabenden“ und zu Referaten, die meistens vom Pfarrer selber gehalten werden.
In einem dieser Vorträge vom 18. April 1939 zum Thema: Der Jungmann in der Grossstadt“ macht der Pfarrer die Zuhörer auf die „Gefahren der Stadt“ aufmerksam. Der Aktuar scheint dabei detailliert und brav die wichtigsten Gedanken des Referenten zusammengefasst zu haben.
„Eigentliche Gefahren einer solchen Stadt sind erstens die Überflutung mit Schundliteratur und die daraus folgende Lesewut. Zweitens die unsittliche Geschäftsreklame, die nur darauf ausgeht, möglichst viele Kunden anzuziehen und auch die gemeinsten Entblössungen, namentlich in der Damenmode nicht scheut, um ihr Ziel zu erreichen.
Heutzutage, so betonte der Referent, geht der grösste Teil der Frauen und Mädchen nur darauf aus, den Männern aufzufallen, sozusagen sie durch Entblössung und geschickte Umkleidung ihres Körpers anzuziehen und ihre geschlechtlichen Triebe zu reizen. Das ist vielleicht die grösste Gefahr deren die Jungmänner ausgesetzt sind, der heutigen Frauenmode. Gelehrte Männer haben bestätigt, dass die heutige Mode am Anfang durchwegs von Dirnen getragen wurde.“
Wie stark sich die Jugendlichen davon haben überzeugen lassen, gibt das Protokoll keine Auskunft.

Katholische Vereine: „ Die Jungmannschaft“ (Teil 5)
Ist die politische Ausrichtung auf die „Verteidigung des Vaterlandes“ der eine Hauptgedanke der Jungmannschaft ist die „Erziehung zu guten Familienvätern“ der andere Gedanke. In der bereits angeführten „Arbeitstagung des Dekanates Albis“ vom 5. März 1939 werden die Aufgaben der Jungmannschaft formuliert; dort heisst es auch, „die Erziehung zu guten, verantwortungsbewussten Familienvätern sind die Liebe der katholischen Jungmannschaft“. Zum Thema hält der neue Pfarrer Georg Usteri am 16. Mai 1950 einen Vortrag zum Thema „Auf dem Weg zu Ehe“.
„Welche Kenntnisse musst du dir über das Mädchen beschaffen, mit dem du eine Bekanntschaft eingehen willst?“ Der Protokollant hat wohl wiederum getreulich festgehalten, was der Pfarrer vorgetragen hat.
„Ist sie körperlich und seelisch gesund? Stammt sie aus einer ehrbaren Familie? Keine Trunksucht? Ist das Mädchen arbeitsam? Hat sie einen guten Charakter; ist sie eigensinnig, zanksüchtig, jähzornig? Kein grösserer Zorn als Weiberzorn; besser wohnt man bei Löwen und Leoparden, heisst es in der heiligen Schrift. Ist sie katholisch?“
Dann beantwortet der Pfarrer auch die Frage: „Wo und wie werden diese Kenntnisse gewonnen?“
„Bei Gott darum beten. Mit den Eltern beraten; sie haben Lebenserfahrung. Dich beraten mit dem Seelsorger. Auch er hat Interesse an deinem Lebensglück.“
Und schliesslich folgt noch die Frage: „Wann ist eine Bekanntschaft erlaubt?“
Seelisch und körperlich reif. In guter gesicherter Stellung. Nur dann erlaubt, wenn du die Absicht hast, in Bälde zu heiraten“.